Benomyl

Zahlreiche Studien der letzten zehn Jahre haben gezeigt, dass Pestizide die Ursache der Parkinson-Krankheit sind, einer neurodegenerativen Erkrankung, die die motorischen Funktionen beeinträchtigt und eine Million Amerikaner betrifft. Wissenschaftler verstehen jedoch noch nicht genau, wie diese Chemikalien das Gehirn schädigen. Eine aktuelle Studie liefert eine mögliche Antwort: Pestizide könnten die biochemischen Prozesse hemmen, die normalerweise dopaminerge Neuronen schützen – Gehirnzellen, die selektiv von Krankheiten angegriffen werden. Vorstudien haben zudem gezeigt, dass dieser Ansatz auch ohne den Einsatz von Pestiziden bei der Parkinson-Krankheit eine Rolle spielen kann, was vielversprechende neue Angriffspunkte für die Medikamentenentwicklung bietet.
Frühere Studien haben gezeigt, dass das Pestizid Benomyl, obwohl es 2001 in den USA aus gesundheitlichen Gründen verboten wurde, immer noch in der Umwelt nachweisbar ist. Es hemmt die chemische Aktivität der Aldehyddehydrogenase (ALDH) in der Leber. Forscher der University of California, Los Angeles, der University of California, Berkeley, des California Institute of Technology und des Veterans Affairs Medical Center of Greater Los Angeles wollten wissen, ob dieses Pestizid auch den ALDH-Spiegel im Gehirn beeinflusst. Die Aufgabe von ALDH besteht darin, das natürlich vorkommende Gift DOPAL zu zersetzen und unschädlich zu machen.
Um dies herauszufinden, setzten die Forscher verschiedene Arten menschlicher Gehirnzellen und später ganze Zebrafische Benomyl aus. Ihr Hauptautor und Neurologe Jeff Bronstein von der University of California, Los Angeles (UCLA) erklärte, sie hätten festgestellt, dass es „fast die Hälfte der Dopaminneuronen tötete, während alle anderen Neuronen ungetestet blieben“. Als sie sich auf die betroffenen Zellen konzentrierten, bestätigte sich, dass Benomyl tatsächlich die Aktivität von ALDH hemmte und dadurch die toxische Anreicherung von DOPAL stimulierte. Interessanterweise schädigte Benomyl die Dopaminneuronen nicht, als die Wissenschaftler eine andere Technik zur Senkung des DOPAL-Spiegels anwendeten. Dieser Befund legt nahe, dass das Pestizid diese Neuronen gezielt abtötet, weil es die Anreicherung von DOPAL ermöglicht.
Da auch andere Pestizide die Aktivität von ALDH hemmen, vermutet Bronstein, dass dieser Ansatz helfen könnte, den Zusammenhang zwischen Parkinson und Pestiziden allgemein zu erklären. Noch wichtiger ist, dass Studien gezeigt haben, dass die DOPAL-Aktivität im Gehirn von Parkinson-Patienten sehr hoch ist. Diese Patienten waren Pestiziden nicht stark ausgesetzt. Daher könnte dieser biochemische Kaskadenprozess, unabhängig von der Ursache, am Krankheitsverlauf beteiligt sein. Trifft dies zu, könnten Medikamente, die DOPAL im Gehirn blockieren oder abbauen, eine vielversprechende Behandlungsmöglichkeit für Parkinson darstellen.


Beitragszeit: 23. Januar 2021